09. Januar 1991 – Ansprache des Bonner Beigeordneten Pollmann zur Ausstellungseröffnung „50 Jahre Berufsfeuerwehr Bonn“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in Vertretung des leider verhinderten Oberstadtdirektors darf ich als der zuständige Dezernent Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „50 Jahre Berufsfeuerwehr Bonn“ begrüßen.

Wir feiern, bescheiden wie die Feuerwehr ist, in diesem kleinen Rahmen einen runden Geburtstag. Dass wir ihn an der Schwelle der Jahre 1991 und 1992 feiern können, ist, wenn ich mich nicht sehr irre, dem Scharfsinn des Leiters des Amtes für Feuer- und Katastrophenschutz zu verdanken. Herr Leitender Branddirektor Klausen ist dahinter gekommen, dass die Geburtsstunde der Bonner Berufsfeuerwehr nicht, wie man bisher angenommen hat, erst nach dem letzten Weltkrieg 1945 geschlagen hat, sondern mitten im Krieg.

Rechtliche Grundlagen

Seit 1863 bestand in Bonn eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. 1988 haben wir das 125jährige Bestehen gefeiert. Obwohl im Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23.11.1938 und der hierzu erlassenen Ersten Durchführungsverordnung vom 27.9.1939 der Aufbau einer Feuerschutzpolizei in Bonn nicht ausdrücklich vorgesehen war, hatte der Reichsminister des Inneren 3 Jahre später mit Runderlass vom 29.12.1941 bestimmt, dass in der Stadt Bonn eine Feuerschutzpolizei einzurichten ist. Grundlage dafür war ein Bericht des Regierungspräsidenten Köln vom 24.11.1941, der hier nicht im einzelnen bekannt ist, der aber offensichtlich Mängel in der Sicherheit der Stadt und ihrer Bevölkerung aufdeckte. Der 29.12.1941 ist demnach als Geburtsstunde der Berufsfeuerwehr Bonn anzusehen. Das war mitten im Krieg. Die Feuerschutzpolizei war eine technische Polizeitruppe, deren Aufgabe darin bestand, „Gefahren abzuwehren, die der Allgemeinheit oder dem Einzelnen bei öffentlichen Notständen, insbesondere durch Schadenfeuer, drohten“. Sie hatte aber in den Kriegsjahren natürlich auch noch zusätzlich die Aufgaben zu erfüllen, die ihr zur Durchführung des Luftschutzes gestellt waren. Heutige Rechtsgrundlage ist das nordrhein-westfälische Landesgesetz über Feuerschutz und Hilfeleistungen bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen (FSHG) aus dem Jahre 1958.

Personelle Stärke 

Wegen des Krieges und der damit zwangsläufig verbundenen Personalknappheit ging der Aufbau der Feuerschutzpolizei Bonn nur langsam voran. Ein Dachstuhlbrand im Alten Stadthaus am 10.2.1942, bei dem 3 Helfer, u.a. der Vater unseres früheren Geschäftsführenden Bürobeamten des Amtes 37 Adolf Arenz, ums Leben kamen, gab dem Reichsministerium des Innern Veranlassung, die personelle Besetzung der Feuer-schutzpolizei Bonn zu beschleunigen. so wurde bereits einige Tage nach diesem trau-rigen Ereignis Major Krause von Köln nach Bonn zum Aufbau der Feuerschutzpolizei abkommandiert. Ende 1942 gehörten der Feuerschutzpolizei 2 Offiziere und 7 Feuerwehrmänner (SB) als hauptamtliche Kräfte an. Gegen Ende des Krieges 1945 lag die Personalstärke bei 24 Feuer- Wehrmännern (SB).

Nach dem Krieg wurde sofort mit dem Neuaufbau des Feuerschutzwesens begonnen. Die bis dahin als Feuerschutzpolizei geführte Einrichtung wurde auf Anordnung der Militärregierung in Berufsfeuerwehr umbenannt.
Im Amtsblatt der Stadt Bonn vom 11.5.1946 wird diese Einrichtung erstmals als Amt 13 Feuerwehr aufgeführt. Durch Erlass des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen vom 26. November 1947 wurde die vorläufige Sollstärke dieser Berufsfeuerwehr für Bonn auf 36 Mann festgesetzt. 1950 erfolgte die Übernahme der Feuerwehrmänner ins Beamtenverhältnis. Nach einem kurzfristigen Sinken des Personalbestandes auf 22 Feuerwehrmänner Anfang der 50er Jahre, erfolgte eine kontinuierliche Steigerung der Personalstärke bis zum heutigen Tage, wobei besonders die kommunale Neugliederung des Raumes Bonn im Jahre 1969 zu erwähnen ist.

Als Berufsfeuerwehrleute beschäftigt waren in Bonn:

  • Mitte der 50er Jahre 47 Männer
  • Mitte der 60er Jahre 104 Männer

Darunter 1 Branddirektor, 1 Brandamtmann, 1 Brandoberinspektor, 2 Brandinspektoren sowie 5 Hauptbrandmeister, 3 0berbrandmeister, 18 Brandmeister, 40 Oberfeuerwehrmänner und 33 Feuerwehrmänner.
Ganze 2 Verwaltungsangestellten kamen hinzu.

  • Mitte der 70er Jahre 248 Männer

Ende des letzten Jahres waren es 279 Männer und 1 Frau. Dazu kommen noch 16 Verwaltungsbeamte und -angestellte sowie 7 Technische Angestellte und 6 Lohnempfänger. Die zuletzt genannten Steigerungen sind gewiss im wesentlichen auf die 1973 erfolgte Zusammenführung der Ämter 37 und 38 zum Amt für Feuer- und Katastrophenschutz zurückzuführen. Heute gibt es bei der Bonner Berufsfeuerwehr 3 Beamte des höheren Dienstes, 21 Beamte des gehobenen Dienstes, 38 Hauptbrandmeister. 74 Oberbrandmeister und 69 Brandmeister. Die übrigen sind Oberfeuerwehrmänner bzw. eine Oberfeuerwehrfrau.

Betrachtet man die personelle Entwicklung der letzten 25 Jahre, d.h. der zweiten Hälfte, in der Bonner Berufsfeuerwehr, so kann man feststellen: die Zahl der Feuerwehrbeamten hat sich fast verdreifacht, die Zahl der Beamten im höheren Dienst ebenfalls, die Zahl der Beamten im gehobenen Dienst, das sind die sog. Oberbeamten hat sich mehr als verfünffacht, die der Hauptbrandmeister fast verachtfacht und die der Oberbrandmeister sogar fast verfünfundzwanzigfacht.

Das sage ich hier nur, weil auch Feuerwehrbeamte gelegentlich den Eindruck haben, sie würden viel zu selten befördert. Die Chancen dafür haben sich doch ganz gewaltig verbessert in den letzten 25 Jahren, meine ich.
Die Steigerungen der personellen Stärke der eigentlichen Feuerwehr sind nicht nur zurückzuführen auf höhere Einsatzzahlen und verkürzte Arbeitszeiten, sondern hauptsächlich auch auf zunehmende, über den bloßen Brandschutz weit hinausgehenden Aufgaben der Berufsfeuerwehr in den Bereichen der technischen Hilfsleistungen und des Rettungsdienstes (mit Notarztsystem) bis hin zum umfassenden Umweltschutz. Die Zahl der Einsätze (Brände, technische Hilfeleistungen, Rettungstransporte) stieg von 8.149 im Jahre 1970 auf 19.350 im Jahre 1990, wobei die Krankentransporte nicht mitgezählt sind, die seit einigen Jahren durch eine Arbeitsgemeinschaft durchgeführt werden, der die Sanitätsorganisationen angehören. 1971 wurde in Bonn das Notarztsystem eingeführt, das unter der Bezeichnung „Bonner Modell (Rondevous-System)“ bundesweit Beachtung und Nachahmung fand und dessen 20jähriges Bestehen wir im letzten Jahr feiern konnten.

Amtsleiter

Nach Major Krause, der von Februar 1942 bis März 1945 die Feuerschutzpolizei auf-baute und leitete, hatte die Berufsfeuer Bonn folgende Amtsleiter:

  • Herr Grimpe (von Hannover) 03/45 – 01/56
  • Herr Klein (kommissarisch) 01/56 – 08/56
  • Herr Schmitz-Kröll (von Koblenz) 09/56 01/60
  • Herr Klement (kommissarisch) 02/60 – 12/63
  • Herr Dipl.-Ing. Diekmann 01/64 – 09/86
  • Herr Dipl.-Ing. Klausen 11/86 – heute

Auffällig dabei ist, dass bei den Herren Klein, Klement und Klausen die Nachnamen jeweils mit K beginnen und dass alle drei wie der derzeitige Dezernent aus Königsberg (Pr.) stammen. Das ist die Stadt in Ostpreußen, die vielleicht bald wieder so heißt und in der auch Emanuel Kant, E.T.H.Hoffmann und Ernst Wiechert geboren sind.

Wachgebäude

Eingerichtet wurde die Feuerschutzpolizei 1941/42 in der – inzwischen abgerissenen – Feuerwache Maxstraße. Dieses Wachgebäude stammte aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und war anfangs so groß, dass eine Reihe von Feuerwehrmännern hier noch mit ihren Familien wohnen und sogar hinter der Wache einen kleinen Garten bewirtschaften können. Notwendige Instandhaltungen und Reparaturen wurden in feuerwehreigenen Werkstätten ausgeführt.

Nach der Neugliederung des Bonner Raumes im Jahre 1969 und der Zusammenfassung aller bis dahin selbstständigen Feuerwehren zur Feuerwehr Bonn entsprachen die einzelnen Wachgebäude nicht mehr den räumlichen und technischen Anforderungen. Die heutigen Feuerwachen (FW) wurden wie folgt in Betrieb genommen:

  • Hauptfeuerwache (FW 1) mit Atemschutzübungsstrecke am Lievelingsweg am 02.06.1973 (Kostenaufwand: 11 Mio. DM);
  • Die Feuerwache 2 in Beuel im September 1970 (Kostenaufwand 1,4 Mio. DM);
  • Die Feuerwache 3 in Bad Godesberg im Dezember 1974 (Kostenaufwand:4,1 Mio. DM);
  • Die Feuerwache 4 in Duisdorf wurde bereits im Dezember 1965, also bereits vor der kommunalen Neugliederung, bezogen.

Zur Intensivierung der Ausbildung wurde im Juni 1988 das Ausbildungszentrum der Feuerwehr Bonn hinter der Feuerwache 2 in Beuel eingerichtet.

Fahrzeug- und Gerätebestand

1942:

  • 2 Löschgruppenfahrzeuge
  • 2 Kraftfahrdrehleitern
  • 1 Schlauchwagen

5 insgesamt

1991:

  • 14 Löschfahrzeuge
  • 5 Drehleitern
  • 26 Spezialfahrzeuge (Rüstwagen, Wechselaufbaufahrzeuge, Messwagen u.a.m.)
  • 9 sonstige Feuerwehrfahrzeuge
  • 9 Anhängerfahrzeuge
  • 17 Rettungs-, Notarzt- und Krankentransportwagen
  • 1 Feuerlöschboot
  • 2 Rettungsboote

83 insgesamt

Besondere Einsätze

Dank der ausgezeichneten Ausbildung unserer Feuerwehrmänner und der Feuerwehrfrau und der jeweils auf dem neuesten technischen Stand befindlichen Ausrüstung ist es in den 50 Jahren seit Gründung der Berufsfeuerwehr bisher nicht zu einem tödlichen Unfall eines Feuerwehrbeamten gekommen. Dies wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben. Allerdings hat es schon eine große Zahl von zum Teil schweren Verletzungen und Verbrennungen gegeben, z.B.

  • 1964 bei einem Wohnhausbrand in der Euskirchener Straße, als durch eine einstürzende Giebelwand 2 Beamte schwere Kopf- und Rückenverletzungen erlitten;
  • 06.08.1980 bei einer Explosion in der Bad Godesberger Benngasse, als 3 Feuerwehrbeamte schwerste Verbrennungen erlitten;
  • 12.05.1990 bei einem Werkstattbrand in der Firma Hoffarth in Beuel, als durch ein herabstürzendes Rolltor ein junger Feuerwehrmann schwere Trümmerbrüche beider Fußgelenke erlitt. Diese bis heute nicht ausgeheilten Verletzungen führen demnächst möglicherweise zu einer vorzeitigen Zurruhesetzung des betroffenen jungen Beamten.

Als besonders erwähnenswerte Großeinsätze der Berufsfeuerwehr in den letzten Jahren möchte ich beispielhaft nur nennen:

  • 08.11.1972 Großbrand in der Firma Andernach, Beuel (9 Mio. DM Schaden)
  • 1983 Brand in der Beethovenhalle (6,7 Mio. DM Schaden)
  • 17.01.1991 Großbrand im KaufhausWoolworth in Bad Godesberg,
  • 13.09.1991 Großeinsatz wegen eines Wasserrohrbruchs in Poppelsdorf.

Diese spektakulären Großeinsätze bleiben in Erinnerung. Sie machen aber nicht die tagtägliche mühevolle Kleinarbeit deutlich, die rund um die Uhr in der Feuerwehr zu leisten ist.

Retten – Löschen – Schützen – Bergen“

Mit diesen vier Begriffen wird das Wirkungsfeld der modernen Feuerwehr gut beschrieben. Zu-nächst beschäftigt sich die Feuerwehr nach wie vor mit der klassischen Aufgabe des abwehrenden Brandschutzes. Diese umfasst alle Maßnahmen zur Bekämpfung von Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachen, die bei Bränden und Explosionen entstehen. Ein weiteres wichtiges Feld ist der vorbeugende Brandschutz. Dieser Bereich erstreckt sich auf Maßnahmen zur Verhinderung eines Brandausbruchs und einer Brandausbreitung sowie Zur Sicherung der Rettungswege. Im Zuge der technischen Weiterentwicklung hat auch das Thema „technische Hilfeleistung“ für die Feuerwehr einen immer höheren Stellenwert erhalten. Hierunter werden alle Maßnahmen verstanden zur Abwehr von Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachen, die aus Explosionen Überschwemmungen, Unfällen und ähnlichen Ereignissen entstehen. Der Rettungsdienst hat schließlich die Aufgabe, bei Notfallpatienten noch am Notfallort lebensrettende Maßnahmen durchzuführen, ihre Transportfähigkeit herzustellen und sie in ein geeignetes Krankenhaus zu befördern.

Auf 50 Jahre Berufsfeuerwehr Bonn zurückblickend kann man feststellen: Das Bild hat sich gewandelt. Natürlich haben auch heute noch die traditionellen Aufgaben wie ab-wehrender und vorbeugender Brandschutz ihre große Bedeutung. Doch große neue Aufgabenberei-che sind in den vergangenen Jahrzehnten hinzugekommen, die heute einen hohen Stellenwert haben. Als Bei-spiel mag der umfangreiche Themenkreis des Umweltschutzes dienen. Hier ist die Feuerwehr mit ihrem technologisch modern ausgerüsteten Gerätepark ebenso gefordert wie mit den speziell [in diesen Fragenlausgebildeten Wehrmännern. Dabei lebt Bonn wie jede Stadt davon, dass Bürger bereit sind, Verantwortung und Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit zu übernehmen. Dabei hat die Feuerwehr die älteste Tradition. Durch viele Jahrhunderte hinweg haben sich in diesem Geiste stets Männer und Frauen dazu bereit erklärt, ihren Mitbürgern im Falle der Not, bei Katastrophen und bei Unglücksfällen, helfend und schützend zur Seite zu stehen. Dafür gebührt der Feuerwehr, die sich um die Sicherheit der Bevölkerung verdient gemacht hat, großer Dank.

Seit 1863 für gutes Löschen bekannt.