Geschichte

Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern
Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern

1672 – Die ältesten städtischen Aufzeichnungen über einen organisierten Brandschutz in Bonn gehen auf das Jahr 1672 zurück. Die Brandordnung des Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern (1650 – 1688) vom 22. Dezember 1672 erwähnt eine bereits „vormals von Bürgermeister, Scheffen und Rath hierselbst auffgerichtete Brandordnung“ und setzt gewisse Einrichtung zur Brandverhütung und -bekämpfung als bestehend voraus. Die Bestellung von „vier Brandtmeistern“, zwei aus dem Stadtrat und zwei aus den „Zwölftern“ (Vertreter der Zünfte) gewählt, sowie einer Anzahl von „Brandt-Schützen“, ferner eine Wache auf dem Kirchturm von St. Remigius, und ein Depot von Feuerlöschgeräten „höltzerne Sprützen, Eymer und Leitern“ in einem „Bürgerhauß“; auch mit Pferden bespannte „kupferne Wassersprützen“, die im „Zeughauß“ untergebracht waren, werden genannt.

1698 – Die „Policey-Ordnung der Stadt Bonn“ des Kurfürsten Josef Clemens (1690 – 1723) vom 15. Dezember 1698 erwähnt neben einer Bürgerwacht auch die Turmwache auf „St. Remigii-Thurn“, die von „zwey getreuen, fleißigen Wächtern“ versehen wurde. Der Turmwächter hatte bei Ausbruch eines Brandes die Brandglocke zu schlagen. Die Richtung des Brandes zeigte der Turmwächter am Tag mit einer roten Fahne und in der Dunkelheit mit einer Laterne an.

1730 – Kurfürst Clemens August (1700 – 1761) erlässt am 22. Juni 1730 eine „erneuerte Brand-Ordnung“ und schärft allen Behörden und Bürgern ein, „auff diese unsere Ordnung steiff und fest zu halten und derselben unter darin vermeldeten Straffen nachzuleben“.

Brand des Residenzschlosses, 1777
Brand des Residenzschlosses, 1777

1777 – Das kurfürstliche Residenzschloss fällt in der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 1777 einer verheerenden Feuersbrunst zum Opfer. Starker Südostwind sorgt für eine rasche Brandausbreitung; das Feuer erfasst schließlich die Pulverkammer, die mit großem Getöse explodiert. 13 weitere Gebäude werden durch Flugfeuer ein Raub der Flammen. Eine Ausbreitung des Brandes auf die benachbarte Remigiuskirche kann durch das beherzte Eingreifen des Dachdeckergesellen Anton Grimm verhindert werden. Erschwert werden die Löscharbeiten, weil hierfür beauftragte Bürger lieber nach Haus laufen, um ihr Hab und Gut zu schützen. Auch die Turmwache der Remigiuskirche hat nicht rechtzeitig Alarm geschlagen. Der Schlossbrand fordert 15 Todesopfer.

1794 – Die Franzosen übernehmen im Oktober 1794 die Herrschaft in Bonn und sehen sich noch im gleichen Jahr veranlasst, neue feuerpolizeiliche Maßregeln zu treffen. Trotzdem zeigt das Feuer, das am 10. Mai 1800 nach einem Blitzschlag in den Turm der Remigiuskirche, welches diese bis zu den Grundmauern niederbrennen lässt, weiteren Handlungsbedarf auf. Wenige Wochen später wird eine neue „Brandordnung für die Gemeinde Bonn“ an die Bonner Hauseigentümer verteilt. Bei Verfehlungen sind harte Strafen vorgesehen.

1818 – Der Hauptverwaltungsbericht für das Jahr 1818 erwähnt unter dem Titel „Polizei gegen Unglücksfälle“ die vorhandenen Feuerlöschgeräte im Kreis Bonn: neun große Schläuche und Rohrspritzen, sechs Handspritzen und 1238 Löscheimer. Mehrere Spritzen seien in Beschaffung.

1821 – Auf Basis der Brandordnung von 1800 erlässt der Bonner Oberbürgermeister Windeck am 10. Dezember 1821 eine neue Verordnung, durch die für jede der vorhandenen acht Brandspritzen je ein Hauptmann und Adjunkt, je zwei „Schnabelführer“ und Schlauchführer und eine Anzahl Arbeiter, ebenso Mannschaften für die „Leitmaschine“, für die Handspritzen und zur Aufsicht der geretteten Effekten ernannt werden. Die acht Spritzen waren in der Stadt an verschiedenen Stellen untergebracht; bei jeder ist der Name eines Bürgers vermerkt, der den Schlüssel besitzt. Die Verordnung wird am 19. November 1824 noch einmal ergänzt.

1830 – Am 16. April 1830 erlässt der Oberbürgermeister Windeck eine neue „Feuerlösch-Ordnung für die Stadt Bonn“. Sie bestimmt, dass dem Oberbürgermeister bzw. dem von ihm ernannten Stellvertreter die oberste Leitung der Löscharbeiten, sowie der Maßregeln zur Verhütung von Feuersbrünsten mit voller Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit zusteht. Ein so genannter Löschungsrat steht ihm als technische beratende Behörde zur Seite. Dieser hat insbesondere für die Unterhaltung, Vervollständigung und Verbesserung des Löschgerätes zu sorgen und das regelmäßige Abhalten der Proben zu leiten.

Das städtische Löschungs-Corps besteht aus 4 Abteilungen:
Abt. 1 – Spritzenabteilung – 213 Mann,
Abt. 2 – Handwerkerabteilung – 44 Mann,
Abt. 3 – Rettungs- und Sicherheitsabteilung 64 Mann,
Abt. 4 – Abteilung für Herbeischaffung des Fuhrwesens 41 Mann.

Die Ernennung der Vorsteher und Mitglieder der 1. und 4. Abteilung erfolgt durch den Oberbürgermeister; die beiden anderen Abteilungen bestehen aus Freiwilligen, die sich ihre Vorsteher selbst wählen. Bei vollendetem 60. Lebensjahre hört die Verpflichtung zum Eintritt in das Löschungs-Corps auf.

Im Wesentlichen trägt diese Brandordnung den Charakter einer Pflichtfeuerwehr und bleibt bis zum Jahre 1877 in Kraft. Die Notwendigkeit, entsprechend dem Vorbild anderer Städte eine organisierte Feuerwehr ins Leben zu rufen, tritt erst Anfang der 1850er Jahre ins Bewusstsein.

Oberbürgermeister Leopold Kaufmann
Oberbürgermeister Leopold Kaufmann

1853 – Der neue Oberbürgermeister Kaufmann erbittet kurz nach seinem Amtsantritt im November 1853 von den Stadtoberen aus Aachen und Köln um Mitteilung, welche Erfahrungswerte dort mit den bereits enstandenen „Pompiers-Corps“ in Hinblick auf Organisation und Wirksamkeit bestehen.

1858 – Am 6. November 1858 erlässt Bürgermeister Kaufmann den nachstehenden

„Aufruf an die Bürgerschaft Bonns

Aufgefordert durch den Fortschritt der Zeit, wie durch traurige Ereignisse, von denen zu erlernen wir uns gedrungen fühlen mußten, beabsichtigen wir eine Reorganisierung des hiesigen Feuerlösch-Wesens. Es handelt sich hier vorläufig um die Bildung einer uniformierten, militärisch dicziplinierten und durch und durch eingeübten Feuerwehr-Compagnie von etwa 80 Mann, welche als integrierender Teil der hier bereits bestehenden Feuer-Lösch-Anstalt, und als Kern der Letzteren, überall in den Vordergrund zu treten haben.
Die Mitglieder dieses Feuerwehr-Corps würden sich selbst zu uniformieren, den Statuten sich zu unterwerfen und die zur Einübung erforderliche Zeit darzubringen haben, ohne anderen Lohn, als den warmen Dank der Mitbürger und das Bewußtsein der Tat dafür entgegen zu nehmen, und wird es daher darauf ankommen, ob unter denjenigen Bürgern der Stadt, welche die Mittel und die Zeit, die eine Uniformierung und Einübung in Anspruch nimmt, zu vermeiden haben, sich die erforderli-che Anzahl Freiwilliger finden.
Wir ersuchen daher diejenigen Bürger Bonns, welche -die hohe Aufgabe des beabsichtigten Vereins erkennend- von Bürgersinn und Opferwilligkeit beseelt, demselben beizutreten gedenken, sich im Laufe der nächsten 8 Tage während der Bureau-Stunden auf dem hiesigen Polizei-Bureau anzumel-den und in die betreffende Liste sich einzutragen. Die zu dem Zweck entworfenen Statuten liegen ebendaselbst zur Einsicht bereit.“

Nach einer Aktennotiz war dieser Aufruf nach mehrfacher Beratung mit einer Anzahl von Bürgern ergangen, blieb aber gänzlich erfolglos: „Es hat sich auch nicht ein Einziger gemeldet.“

1860 – Der Gedanke zur Bildung einer Feuerwehr trägt erste Früchte: eine Notiz des Oberbürgermeisters Kaufmann besagt, „dass der Präsident des Turnvereins mündlich dessen Bereitwilligkeit vorgetragen hat, als ein freiwilliges Löschungs- und Rettungs-Corps auftreten zu wollen; am liebsten wäre es dem Verein, wenn ihm eine besondere Spritze zur Bedienung überwiesen werden könnte.“

Wann dieser Entschluss in die Wirklichkeit umgesetzt worden ist, lässt sich nicht mehr genau feststellen, ebenso ist über die Tätigkeit der Feuerwehr-Abteilung in den Jahren 1860/61 nichts in den städtischen Akten enthalten. Es scheint, dass die Feuerwehr-Abteilung des Turnvereins auch nicht in die damals auf Grund der Feuerlöschordnung von 1830 bestehende Brandorganisation eingeordnet war.

1862 – Ein längerer Polizeibericht über einen Brand am 19. Mai 1862, bei welchem „die Löschhülfe viel zu spät und wenig wirksam eingetreten war“, erwähnt die Feuerlöschabteilung des Turnvereins nicht.

Eine nach diesem Brande von der Stadtverordneten-Versammlung zur Revision der Feuerlöschordnung eingesetzte Kommission erachtet vor allem die Einrichtung einer Feuerwache von 3 Mann für ein dringendes Bedürfnis. Eine solche wird auf dem Minoritenplatz untergebracht und vertragsmäßig von dem Bonner „Dienstmann-Institut“ gestellt; die vierteljährliche Vergütung beträgt 50 Taler.

Ein Bericht der Kommission über die Verhandlungen am 23. und 30. Juni 1862 sagt sodann: „Als ein ferneres Bedürfnis erkannte die Kommission die Bildung eines Feuerlösch-Corps, das durch zu diesem Zwecke angestellte Übungen besonders befähigt sei, bei einem Brande für Rettung von Menschen und Effekten zu sorgen. Nachdem die schon früher versuchte Bildung eines freiwilligen sowohl wie auch eines besoldeten Corps gescheitert, glaubte die Kommission, dass von dem Präsidenten des Turnvereins gemachte Anerbieten, ein solches Corps aus den Mitgliedern des Vereins bilden zu wollen, wenn seitens der Stadt die dazu nötigen Gerätschaften geliefert würden, nur mit Dank annehmen zu können, da sie den Turnverein als zur Bildung eines solchen Corps, wobei Disziplin, Tüchtigkeit und Liebe zur Sache Haupterfordernisse sind, vorzugsweise geeignet hält. Dieses Corps würde einen integrierten Bestandteil des städt. Feuerlöschwesens bilden und insofern beim Ausbruch eines Feuers der städtischen Behörde untergeordnet sein.“

Am 30. Juni 1862 gibt der Vorstand des Turnvereins zu den städtischen Akten die schriftliche Verpflichtung ab, die ihm überwiesenen Geräte ordnungsgemäß zu verwenden. Die Umgestaltung der Feuerlösch-Abteilung des Turnvereins zur „Bonner Turner-Feuerwehr“ erfolgt am 20. September 1862; sie wird in einer Stärke von 60 Mann neu eingeteilt, uniformiert und führt die von einer Feuerversicherungsanstalt geschenkte Spritze.

Prof. Dr. Hugo Thiel, erster Zugführer des Steigerzugs (1863- 1867)
Prof. Dr. Hugo Thiel, erster Zugführer des Steigerzugs (1863- 1867)

Hauptmann der Wehr wird das Vorstandsmitglied Peter Brohl, den Steigerzug führt der Student Hugo Thiel. Die ersten Statuten werden mit Datum vom 10. November 1862 erlassen.

1863 – Am 29. Juni 1863 findet eine Übung der Turner-Feuerwehr auf dem Markt statt. Offenbar ist die Turner-Feuerwehr erst zu Beginn des Jahres 1863 in die Öffentlichkeit getreten. Dies erklärt, warum die Feuerwehr Bonn das Jahr 1863 als dasjenige ihrer Gründung ansieht und feiert.

1866 – Zwei Großbrände in den Jahren 1865 und 1866 zeigen der Turner-Feuerwehr die Grenzen auf. Es zeigt sich, dass sie einer Feuersbrust größeren Umfangs trotz aller Bemühungen nicht gewachsen ist Die anfängliche Euphorie ist verflogen, die Mitgliederzahl erheblich gesunken. Eine erhebliche Neuorganisation, so sind sich ihre Führer und städtische Behörde einig, ist notwendig. Man beginnt, die Feuerwehr auch für junge Männer zu öffnen, die nicht Mitglied des Turnvereins sind. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Schon bald hat die Freiwillige Feuerwehr 70 Mitglieder. Die erste Vereinssatzung wird am 22. Dezember 1866 angenommen.

1867 – Nach dem städtischen Verwaltungbericht für das Jahr 1867 und einem Bericht des Oberbürgermeisters Jahre hat das Feuerlöschwesen der Stadt Bonn eine wesentliche Verbesserung erfahren. Seine Leitung wurde dem Königlichen Baumeister Neumann als Branddirektor übertragen. Die Freiwillige Feuerwehr, „aus gebildeten und kräftigen jungen Männern bestehend, ist vollständig ausgestattet und hält ununterbrochen ihre Übungen ab, sie bedient außer dem Wasserzubringer zwei vorzügliche Spritzen“. Zur Aufbewahrung der städtischen Feuerlöschgeräte wurde ein „Spritzenhaus“ im ehemaligen Kapitel-Kelterhaus des Cassiusstiftes eingerichtet und durch eine Stationslaterne die ganze Nacht erleuchtet. Dort befinden sich eine zweirädrige und drei vierrädrige Spritzen, ein Gerätewagen, ein „Hydrophor“ und eine Anzahl von Leitern, Haken, Schläuchen und Eimern.

Das Universitätsfest 1868
Das Universitätsfest 1868

1868 – Aus Anlass des 50jährigen Universitätsjubiläums stellt die Freiwillige Feuerwehr Bonn zum ersten Mal Brandsicherheitswachen.

1869 – Die Stadt errichtet an der Poppeldorfer Allee einen Übungsplatz mit Steigeturm für die Feuerwehr. Die Übergabe findet am 30. Mai 1863 durch den Oberbürgermeister Kaufmann statt.

1874 – Der Aufbau eines Hydrantennetzes für die Stadt Bonn beginnt. Eine erste Übung unter Benutzung des Netzes findet im Februar 1875 statt.

1877 – Oberbürgermeister Dötsch erlässt ein neues „Reglement für das Feuerlöschwesen der Stadt Bonn“. Es löst die alte aus dem Jahr 1830 stammende Feuerlöschordnung ab.

1880 – Am 23. Oktober 1880 findet eine Revision der Bonner Feuerwehr durch den Rheinisch-Westfälischen-Feuerwehr-Verband statt. Aus dem Protokoll geht hervor, dass die Freiwillige Feuerwehr Bonn sich durchweg die Anerkennung der Revisoren erworben habe. „Die Stadt Bonn“, heißt es am Schluss, „darf mit Stolz auf ihre Feuerwehr blicken“.

1883 – Im Rathaus wird am 1. März 1883 eine ständige Nacht-Feuerwache errichtet, die später auch auf Tageswachen an Sonn- und Feiertagen ausgedehnt wird. Im Mai 1883 findet das Rheinische Verbandsfest in Bonn statt, an dem über 5.000 Feuerwehrleute teilnehmen. Im gleichen Jahr bildet sich aus Mitgliedern der Feuerwehr ein Musikcorps; die Instrumente werden aus der Wehrkasse angeschafft. Am 10. Juni 1883 wird der Kaufmann Jean Leander zum Oberst der Feuerwehr gewählt. In seine Amtszeit fällt die Einführung der Samariter-Übungen durch den um die öffentliche Gesundheitspflege hochverdienten Sanitätsrat Professor Dr. Schmidt. Es werden Sanitätskolonnen mit besonders ausgebildeten Feuerwehrsamaritern gebildet. Sie transportieren Kranke und verletze Menschen schonend und zugleich schnell in ein Krankenhaus bzw. zu einem Arzt. Diese Transporte wurden mit Räderbahren durchgeführt.

1884 – Die Freiwillige Feuerwehr erhält einen Mannschaftwagen, der mit zwei Pferden bespannt wird.

Brand der Minoritenkirche 1888
Brand der Minoritenkirche 1888

1888 – Am 23. März 1888 entsteht in den Hintergebäuden des Hotels zum Stern ein Brand, der auf die um 1300 erbauten Minoritenkirche (seit 1806 Pfarrkirche St. Remigius) übersprang und deren Dachstuhl mit dem Dachreiter vernichtete. Nach dem städtischen Verwaltungsbericht gelingt „es der ausdauernden Anstrengung und dem sachverständigen Eingreifen der Feuerwehr, die gefahrdrohende Weiterverbreitung des Feuers zu verhüten“.

1890 – Eine Bonner Zeitung berichtet darüber, dass die Stadtverordnetenversammlung in einer geheimen Sitzung zur Reorganisierung des Löschwesens am 10. Juni 1890 die Anstellung eines von ihnen bestimmten Branddirektors beschlossen habe. Die Freiwillige Feuerwehr Bonn, den Statuten nach ein Verein, wertet diesen Umstand als Eingriff gegen ihre Rechte und Misstrauens-Votum gegen ihre selbst gewählte Führung. Sollte dieser Plan umgesetzt werden, werde sich die Freiwillige Feuerwehr Bonn zum 1. Juli 1890 auflösen. In der auf Wunsch von Oberbürgermeister Herrmann Jakob Dötsch einberufenen Vollversammlung stellen sich die Pläne als Folge falscher Gerüchte und Missverständnisse heraus. Während der Oberbürgermeister betont, die Selbstbestimmungsrechte der Freiwilligen Feuerwehr nicht anzutasten, ziehen die Wehrleute ihre Androhung der Auflösung zurück.

1897 – Am 1.Juli 1897 legt Hauptmann August Feldmann wegen anhaltender Krankheit sein Amt nieder. Als Nachfolger wird der Rentier Josef Gemünd gewählt.

Ehemalige John'sche Kapelle, ca. 1900
Trompeter-Corps der Freiwilligen Feuerwehr Bonn, ca. 1925

1898 – Die „Jonen’sche Kapelle“ unter der Leitung des Kapellmeisters Emil Jonen tritt in die Freiwillige Feuerwehr ein. Sie wird auf Kosten der Wehr neu uniformiert und besteht unter dem neuen Namen „Trompeter-Corps der Freiwilligen Feuerwehr“ fort.

Im März wird der Feuerwehrbezirksverband Bonn mit 25 Wehren und rund 1000 Mitgliedern ins Leben gerufen. Zum Vorsitzenden wird Hauptmann Josef Gemünd gewählt.

1900 – Auf Grund des Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung vom 28. Juni 1900 wird in den beiden Ortschaften Dransdorf und Graurheindorf eine freiwillige Feuerwehr mit einer Stärke von jeweils 30 Mann ins Leben gerufen und diese der Freiwilligen Feuerwehr Bonn angegliedert. Aus ihren Beständen gibt die alte Wehr jeweils eine Feuerspritze an die neu gegründeten Einheiten ab und erhält im Gegenzug eine neue Feuerspritze.

Der Vorstand der Feuerwehr Bonn im Jahr 1903
Der Vorstand der Feuerwehr Bonn im Jahr 1903

1904 – Dank der Eingemeindung am 1. April 1904 wächst nicht nur das Bonner Stadtgebiet – auch vier bereits vorhandene Feuerwehr-Einheiten in Poppelsdorf, Endenich, Kessenich und Dottendorf werden nach und nach in die Bonner Wehr eingegliedert.

1905 – Am 13. August 1905 bezieht die Freiwillige Feuerwehr Bonn ihre neue Kaserne in der Maxstraße. Sie wird von einem Wehrführer und acht Wehrleuten mit ihren Familien bewohnt. Die Wehrleute können ihren Beruf auf dem Gelände der Kaserne ausüben und sind daher auch tagsüber bei Alarmierungen sofort verfügbar. Der erste Krankenwagen wird in Dienst gestellt.

1907 – Aufgrund des ausgedehnten Stadtgebiets wird für rund 20.000 Mark ein Dampfautomobilwagen angeschafft. Sein Fahrer, ein Zivilist, wird die erste hauptamtliche Kraft der Feuerwehr Bonn. Das Fahrzeug stellt sich im Einsatzfall als völlig unzureichend heraus und wird im Jahr 1910 durch einen elektrisch angetriebenen Mannschaftswagen mit Gasspritze und zwei Wasserbehältern ersetzt.

1912 – Das 1883 eingeführte Feuertelegraphennetz wird durch eine modernisierte Anlage ersetzt. Sie wird am 1. April 1912 in Betrieb genommen und besteht aus 54 Alarm- und Meldestellen.

1913 – Das 50jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bonn wird in Verbindung mit dem XXII. ordentlichen Feuerwehrtag des Feuerwehrverbands der preußischen Rheinprovinz gefeiert. Am Festumzug nehmen 8063 Feuerwehrleute teil. Die Freiwillige Feuerwehr Bonn besteht aus 12 Löschzügen an sieben Standorten mit insgesamt 296 aktiven Mitgliedern.

1918 – Der erste Weltkrieg endet. Von den insgesamt 198 zur Armee einberufenen Wehrmännern fallen 21; vier werden vermisst.

1922 – Der Fuhrpark wird durch eine Automobil-Motorspritze und eine Drehleiter der Firma Magirus ergänzt.

1933 – Hauptmann Josef Gemünd, der 36 Jahre lang die Freiwillige Feuerwehr Bonn leitete, legt mit seinem 80. Geburtstag am 31. Juli 1933 sein Amt nieder.

1934 – Durch das preußische Gesetz vom 15. Dezember 1933 werden die Freiwilligen Feuerwehren am 1. Januar 1934 dem Ortspolizeiverwalter unterstellt. Vom gleichen Tag an bilden sie den Kreisfeuerwehrverband „Bonn Stadt“. Die Vorstandsmitglieder werden vom Regierungspräsidenten ernannt. Spätere Erlasse des Innenministers regeln die Leitung bei Einsätzen, die Uniformierung, Ausrüstung und Dienstgrade.

1938 – Am 10. November 1938 brennt die Bonner Synagoge in der Tempelstraße. Die herbeigerufene Löscheinheit dämmt den Brand schnell ein, bis der Bonner Polizeidezernent und SA-Standartenführer Peter Reinartz den Einsatzleiter der Feuerwehr anherrscht, das Augenmerk auf den Schutz der angrenzenden Häuser zu richten. Fünf oder sechs SA-Männer schleppen daraufhin erneut Benzin- und Ölfässer in den Betsaal und zünden alles an. Nach und nach beteiligen sich auch immer mehr Bonner Bürger an den Zerstörungen. Während der Novemberprogrome 1938 werden im Deutschen Reich rund 1.400 jüdische Einrichtungen zerstört. Die Ereignisse jener Tage stellen für viele deutsche Feuerwehren das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte dar.

Das Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 schaltet die bisherige Selbständigkeit der freiwilligen Feuerwehren völlig aus. Sie verlieren ihre Rechtsform als Verein und werden zu einer Hilfspolizeitruppe mit strenger hierarchicher Gliederung nach dem „Führerprinzip“. Der Aufbau einer hauptamtlich besetzten Feuerschutzpolizei in Bonn wird jedoch weder im Reichsgesetz selbst noch in der ersten Durchführungsverordnung vom 27. September 1939 ausdrücklich verlangt.

1941 – In einem Bericht an den Reichsminister des Inneren vom 24. November 1941 beschreibt der Kölner Regierungspräsident offensichtliche Mängel im Bereich des Bonner Brandschutzes und der Sicherheit der Bevölkerung. Ein Hauptgrund liegt dabei im Personalmangel aufgrund vieler zum Kriegsdienst einberufener Kameraden. Dieser ordnet daraufhin in einem Runderlass an, dass mit Wirkung vom 29. Dezember 1941 eine hauptamtlich geführte Feuerschutzpolizei in Bonn einzurichten sei. Die Feuerschutzpolizei übernimmt nicht nur Aufgaben zur Gefahrenabwehr durch Schadenfeuer, sondern auch zur Durchführung des Luftschutzes. Um den Personalmangel zu kompensieren werden Beamte aus Königsberg und Dresden abkommandiert. Als Unterkunft dient die alte Feuerwache auf der Maxstraße, die sie sich mit den verbliebenen freiwilligen Kräften der Polizeihilfstruppe teilt.

1942 – Die Ereignisse des Frühjahrs 1942 zeigen deutlich, dass der Aufbau einer schlagkräftigen Feuerschutzpolizei nur schleppend voranschreitet: Bei einem Dachstuhlbrand im alten Stadthaus am Bottlerplatz kommen am 10. Februar 1942 drei Helfer ums Leben. Das Reichsministerium des Inneren veranlasst daufhin, die Bonner Feuerschutzpolizei personell zu verstärken. Bereits wenige Tage nach den Ereignissen vom Bottlerplatz übernimmt mit Major Krause von der Feuerschutzpolizei Köln eine erfahrene Führungskraft die Leitung. Bei Kriegsende im Mai 1945 liegt die Personalstärke bei 24 Wehrmännern.

1945 – Nach Beendigung des zweiten Weltkriegs wird die Feuerschutzpolizei zunächst unter ihrem alten Namen fortgeführt, schließlich jedoch auf Anordnung der Militärregierung in „Berufsfeuerwehr Bonn“ umbenannt. Die freiwilligen Wehrmänner des Stadtkreises Bonn werden neu formiert und in sieben Löschgruppen – Stadt-Mitte, Dransdorf, Dottendorf, Endenich, Kessenich, Poppelsdorf und Rheindorf – der Berufsfeuerwehr Bonn unterstellt. Ihre Personalstärke darf zunächst nicht mehr als 99 Personen betragen. Aus Mangel an geeigneten Uniform wird zunächst in Zivilkleidung geübt. Für Ausbildungszwecke steht den sieben Löschgruppen nur ein einziges Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung. Die Gerätehäuser werden zum größten Teil in Eigenleistung der Kameraden wieder aufgebaut.

1966 – Die Löschgruppe Mitte bezieht am 14. März 1966 auf dem Gelände der Firma Ippendorf am Dransdorfer Weg (heute: Am Propsthof) ihre neue Unterkunft („Lager Ippendorf“), nachdem die gemeinsame Unterkunft mit der Berufsfeuerwehr in der alten Feuerwache auf der Maxstraße aus allen Nähten zu platzen drohte. Auf einer Gesamtfläche von 850 qm befindet sich neben der Unterkunft eine Halle mit 23 Fahrzeugen des örtlichen Luftschutzhilfsdienstes, die der Stadt Bonn vom Bund zur Verfügung gestellt worden sind. Die Fahrzeuge werden von 26 Kameraden aus allen sieben Löschgruppen im Rahmen einer ständigen Bereitschaft besetzt.

Die alte Feuerwache in der Maxstraße, 1905
Die alte Feuerwache in der Maxstraße, 1905

1973 – Die alte Feuerwache auf der Maxstraße wird abgerissen, um Platz für den Neubau des Stadthauses zu schaffen. Bemühungen, das charakteristische Florians-Relief von Karl Menser vom Gebäude abzutragen und an anderer Stelle zu platzieren, scheitern an den Kosten von rund 30.000 DM. Die Berufsfeuerwehr wechselt in den Neubau am Lievelingsweg.

1981 – Die Feuerwehr Bonn führt die sogenannte „Rufbereitschaft“ ein. Im Wechsel übernehmen die Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr für jeweils eine Woche die nächtliche Einsatzbereitschaft für den gesamten Wachkreis. Für jeden der vier Wachkreise wird ein Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16/25 beschafft, welches der jeweiligen diensthabenden Einheit als Verstärkung dient. Die Rufbereitschaft wird zum Vorbild für viele deutsche Feuerwehren.

Das neue Gerätehaus in der Spessartstraße
Das neue Gerätehaus in der Spessartstraße

1988 – Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl feiert die Feuerwehr Bonn ihr 125-jähriges Jubiläum. Über das Jahr verteilt begleiten verschiedene Veranstaltungen die Feierlichkeiten. Der Gründer-Löschzug Bonn-Mitte zieht in sein neues Gerätehaus an der Spessartstraße ein.

1995 – Die Jugendfeuerwehr des Löschzugs Bonn-Mitte wird unter der Leitung von zwei Jugendwarten und neun Jugendlichen neu gegründet.

1998 – Gemeinsam mit dem Löschzug Dransdorf übernimmt der Löschzug Bonn-Mitte die Aufgabe des „Informations- und Kommunikationsdienstes“ (IUK). Beide Löschzüge werden hierfür mit speziellen Funkwagen vom Typ FBKW ausgestattet.

1999 – Mit der neuen Alarm- und Ausrückordnung der Feuerwehr Bonn werden die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Bonn auch bei Tag zu entsprechend gravierenden Notfällen in ihrem Stadtteil hinzualarmiert. Die 1981 eingeführte nächtliche Rufbereitschaft bleibt aus Gründen der Verstärkung bestehen.

2001 – Der Löschzug Bonn-Mitte wird gemeinsam mit dem Löschzug Lengsdorf damit beauftragt, den Bonner Behandlungsplatz im Fall eines „Massenanfalls von Verletzten“ (MAnV) aufzubauen und zu betreiben.

2002 – Mit Yvonne Vor gewinnt der Löschzug zum ersten Mal in seiner Geschichte ein weibliches aktives Mitglied.

2004 – Die Löschzüge der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr werden „Löscheinheiten“ umbenannt. Im Vergleich zum Löschzug hat der Begriff Löscheinheit keinen Bezug auf die Mannschaftsstärke. Aus dem Löschzug Bonn-Mitte wird die Löscheinheit 11.

Seit 1863 für gutes Löschen bekannt.