Geschichte der Feuerwehr Bonn, aufgeschrieben zum 40. Jubiläum 1913

Umschlag des Festbuchs 1913
Umschlag des Festbuchs 1903

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bonn
(aufgeschrieben von F. Weber anlässlich des 40jährigen Jubiläum 1903)

Den Feigling müssen wir bedauern,
Der Einzig nur sein Leben schätzt,
Da es nicht froh mit Wonneschauern
An eine edle Stelle setzt.

Am 1. April hat die Freiwillige Feuerwehr 40 Jahre bestanden – zum Wohle der Stadt Bonn. Es ist wohl nützlich und für die Mitglieder besonders interessant, diese vier Jahrzehnte im Geiste an uns vorüberziehen zu lassen.

Wie so manche der bestehenden Feuerwehren ist auch, die Bonner Freiw. Feuerwehr durch den Turnverein ins Leben gerufen worden. Es war im Anfang des Jahres 1863, als ein Häuflein des damals jungen Turnvereins zusammentrat, um gleich den Turnvereinen am Niederrhein, eine Feuerwehr zu errichten. Anregung hierzu gaben die Vorstandsmitglieder Peter Brohl, A. Bachem und besonders der hier, in Bonn studierende jetzige Ministerialdirektor Geh. Rat Dr. Hugo Thiel (geb. Bonner). Trotzdem das Feuerlöschwesen in Bonn gleich dem vieler anderer Städte unserer Provinz zur damaligen Zeit so vieles zu wünschen übrig ließ stand die städt. Verwaltung dem ganzen Unternehmen mehr als vorsichtig und zurückhaltend gegenüber. Viele Mühe kostete es die Stadtväter endlich 200 Thlr. zur Anschaffung von Geräten bewilligten. Die Aachen-Münchener Feuerversicherung gab eine Spritze. So mit den nötigsten Werkzeugen ausgerüstet trat am 1. April die Wehr unter dem Namen „Turner-Feuerwehr“ ins Leben. Zum Hauptmann wurde Peter Brohl † und als sein Stellvertreter A. Bachem (jetzt Redakteur der Kölnischen Zeitung) gewählt, der Steigerzug führte der Student Hugo Thiel, den Spritzenzug Füllers (jetzt Rentner in Poppelsdorf), den Reservezug (Ordnungsmannschaften) Richard Brüne (jetziger Stadtverordneter). Die erste größere Übung hielt die Wehr an dem Hause des Sattlermeisters Hüsgen, Sternstrasse, ab. Bei dem großen Brande der Lander´schen Fabrik in Beuel erhielt sie ihre erste ordentliche Feuertaufe. Noch zwei größere Brände hatte die Turner-Feuerwehr zu bekämpfen, und zwar im Jahre1865 im Dez. am Hause des Herrn Küntgen, Josephstrasse und 1866 im Novbr. am Adtorf´schen Hause am Dreieck. Hierbei stellte es sich heraus, das die Turner-Feuerwehr größeren Bränden nicht gewachsen war. Die Lust, mit welcher dieses Institut errichtet war, fing allmählich an zu erlahmen. Viele hatten wohl die Schwierigkeiten des Unternehmens unterschätzt. Und schließlich war die Wehr auf ein Minimum reduziert, das sich kaum mehr Feuerwehr nennen durfte. Im Dezember 1866 traten die wenigen Getreuen zusammen und beschlossen, um die Sache nicht untergehen zu lassen und um die Interessen des Feuerlöschwesens kräftiger fördern zu können die Errichtung einer Freiw. Feuerwehr, der auch Nichtmitglieder des Turnvereins beitreten konnten. Der Erfolg war ein über alles Erwarten günstiger, und bald war ein Corps von ungefähr 70 Mann zusammengebracht. Dasselbe organisierte sich unter Annahme der jetzigen Uniform zu dem heute blühenden Corps der Freiw. Feuerwehr Bonn, unter Leitung des damaligen Hauptmanns Peter Brohl und dessen Stellvertreter, II. Hauptmann Dr. Hugo Thiel. Die Tätigkeit dieser Freiw. Feuerwehr wurde nun immer mehr in Anspruch genommen und anerkannt. Im Jahre 1868 stellte sie gelegentlich des 50jähr. Jubiläums der hiesigen Universität die ersten Sicher-heitswachen. 1869 ließ die Stadt für die Wehr ein Steigerhaus und einen Übungsplatz an der Poppelsdorfer Allee, an der Stelle der jetzigen Kronprinzenstrasse, errichten. Dieselben wurden am 30. Mai durch Herrn Oberbürgermeister Kaufmann der Freiw. Feuerwehr feierlich übergeben. Leider musste in diesem Jahre Herr Dr. H. Thiel infolge seiner Berufung als Professor nach Darmstadt das Feuerwehr-Corps verlassen, wodurch dasselbe den eifrigsten Förderer seiner Zwecke verlor. An dessen Stelle wurde Rechtsanwalt Wrede am 6. Oktober 1869 gewählt und Professor Dr. Thiel zum I. Ehrenmitglieds der Freiw. Feuerwehr ernannt. Kamerad Rich. Brüne fertigte eine künstlerische Ehrenurkunde hierüber an, welche Professor Thiel nach Darmstadt übersandt wurde.

In einer am 6. April 1870 abgehaltenen Versammlung überraschte Prof. Thiel die Freiw. Feuerwehr durch sein Erscheinen. Bei dieser Gelegenheit gab er wiederholt seiner Freude und seinem Dank Ausdruck über die Ernennung zum Ehrenmitgliede seiner lieben Bonner Feuerwehr. Die hierüber ausgestellte schöne Urkunde ziere eine Ecke seines Wohnzimmers, der er die Bezeichnung: „Ecke der Liebe und Freundschaft“ gegeben. Bei dieser Versammlung, die alle Anwesenden in der heitersten Stimmung verließen, ahnte man wohl nicht, dass‘ einige Monate später die Fackel des Krieges über unser teures Vaterland auflodern sollte. Der längst gefürchtete Augenblick war genaht, indem unser westl. Nachbar, welcher längst auf unser schönes Rheinland geliebäugelt hatte, ohne Ursache und Recht den Krieg heraufbeschwor. Freudig dem Rufe des Königs und Vaterlands folgend, eilte Alles von Süd und Nord begeistert zu den Waffen, bereit, mit Gut und Blut den heimatlichen Herd zu schützen. Und so auch ein großer Teil unserer Feuerwehr. Doch während die Kameraden im Felde standen, waren die Daheimgebliebenen auch nicht müßig. Unermüdlich waren sie bestrebt, den durchziehenden Truppen sowie den Verwundeten Erquickung zu verschaffen, ebenso Verwundete und Kranke von der Bahn nach den Lazaretten zu transportieren, ja selbst in den Lazaretten hilfreiche Hand zu leisten. Einem in der Zeit ausgebrochenen Brande traten sie, wenn auch gering an Zahl, doch wirksam entgegen, und haben somit, wenn auch nicht mit den Waffen in der Hand, getreu dem Vaterlande ihre Dienste geleistet und sich hierdurch nicht allein die Sympathie ihrer Mitbürger, sondern auch die Anerkennung ihrer Behörden erworben. Aus diesem Anlass erhielten denn auch der derzeitige Hauptmann Brohl den Rothen Adlerorden und die Kameraden Feldmann, Auweiler, Bommer und Dickhof das Allgemeine Ehrenzeichen.

In den, während dieser Zeit regelmässig abgehaltenen Monatsversammlungen wurde sich hauptsächlich, mit Mitteilungen über die Abwesenden beschäftigt und Mittel und Wege besprochen, denselben ihre Lage zu erleichtern. Aus den Ersparnissen wurde denselben durch Geld, Tabak, Zigarren etc. reichlich Unterstützung zu teil.

Nachdem am 28. März 1871 ein großer Teil der Kameraden zurückgekehrt, wurde seitens der Feuerwehr in Vereinigung mit dem Turnverein in den festlich geschmückten Räumen des Bornheimer Hofes eine Empfangsfeier zu Ehren der Heimgekehrten veran-staltet. Unter den Anwesenden befand sich auch das hochgeehrte Ehrenmitglied Professor Thiel, welcher mit dem eisernen Kreuze dekoriert war.

Im Juli 1871 erhielt die Wehr auf Antrag ihres Hauptmannes Peter Brohl von der Stadt ihre Fahne. Diese Fahne, schwarz-rot-gold, welche heute noch der Wehr als Banner dient, stammt von der Bonner Bürgerwehr aus dem Jahre 1848. Dieselbe wurde zum ersten Male benutzt bei dem Empfang des aus dem Feldzuge 1871 zurückkehrenden Bonner Husaren-Regimente.

Eine Vervollkommnung erhielt unser Feuerlöschwesen durch die im Jahre 1874 angelegte Bonner Wasserleitung. Hydranten wurden angelegt, und nachdem die Freiw. Feuerwehr im Besitz von den nötigen Hydrant-Standrohren war, konnte dieselbe im Februar 1875 eine Übung abhalten, wobei die Schläuche aus der Wasserleitung gespeist wurden.

Am 19. Dezember 1875 wurde die Wehr schmerzlich betroffen durch den plötzlichen Tod ihres geliebten und hoch geehrten Hauptmanns Peter Brohl. Als sein Nachfolger wurde der Führer des Steigerzuges, Peter Auweiler, zum Hauptmann gewählt, der seines Amtes waltete bis 19. August 1882.

Am 19. September 1882 wurde Ingenieur, Stadtverordneter Gregor zum Haupt-mann gewählt, derselbe legte aber aus praktischen Gründen schon am 13. Januar 1883 sein Amt wieder nieder. Als sein Nachfolger wurde Spritzenführer Aug. Feldmann als I. Hauptmann und der Führer des Steigerzuges Fritz Broeger als II. Hauptmann gewählt.

Am 1. März 1883 wurden die ständigen Nacht-Feuerwachen im Rathause errichtet; dieselben wurden später auch auf Tageswachen an Sonn- und Feiertagen ausgedehnt. Anfangs wurden dieselben von fünf Feuerwehrleuten, darunter ein Wachhabender, bezogen, später wurden solche um einen Mann vermehrt. Auch stellte die Wehr schon seit 1876 Theaterwachen, zu jeder Vorstellung wurden zwölf Mann und ein Führer kommandiert. Ebenso stellte dieselbe Sicherheitswachen bei Konzerten und Festlichkeiten in der Beethovenhalle, bei Vorstellungen von Zirkus und Volkstheatern ect.

1883 im Mai wurde in Bonn das Rhein.- Westf. Feuerwehr-Verbandsfest unter grosser Beteiligung abgehalten. An demselben beteiligten sich über 5000 Feuerwehrleute. Aus Anlass des Vorbandsfestes wurde am Rheinwerft zwischen der ersten und zweiten Fährgasse ein Steigerhaus errichtet, welches hiernach auf dem Arndtplatze aufgeführt wurde. Dasselbe ward 1898, weil baufällig, niedergelegt und durch das jetzige ersetzt.
In einer am 10. Juni 1883 stattgehabten Generalversammlung wurde Kaufmann Joan Lander als Oberst der Freiw. Feuerwehr gewählt. Derselbe musste aber nach kaum zweijähriger Tätigkeit am 2. Mai 1885 sein Amt au Gesundheitsrücksichten niederlegen.

Unter Oberst Leander wurden die bis heute so wohltätig wirkenden Samariter-Übungen unter Leitung des Herrn Dr. Schmidt ins Leben gerufen; später beteiligten sich noch in tätiger und uneigennütziger Weise an den Unterrichten die Herren Dr. Bleibtreu und Dr. Firle.

Auch wurden von städt. Seite die Wehrleute gegen Unfall versichert. Ebenso wur-den die Geräte verbessert und neue Anschaffungen gemacht, unter anderem ein Mann-schaftswagen und eine neue Druckspritze, sowie die Einrichtung des Feuertelegraphen ins Leben gerufen und Feuermelde- und Alarmstellen errichtet. Heute sind 35 Melde- nebst 15 Alarmstellen in der Stadt vorhanden. Die Stellen, wo sich dieselben befinden, sind seit zwei Jahren durch Schilder an den Briefkasten noch besonders vermerkt. Auch bildete sich 1883 aus Mitgliedern der Wehr ein Musikcorps; die Instrumente wurden meis-tens aus der Wehrkasse angeschafft. Das Corps erlitt jedoch im Laufe der Jahre in Bezug auf seine Zusammensetzung manche Veränderung und infolgedessen sogar zeitliche Auflösung, bis vor 5 Jahren die Jon´sche Kapelle in die Feuerwehr übertrat unter dem Namen „Trompeter-Corps der Freiw. Feuerwehr“, unter Leitung des Kapellmeisters Emil John. Dieselbe wurde auf Kosten der Wehr neu uniformiert. Diese Kapelle, 16 Mann stark, hat sich bis heute als sehr tüchtig bewährt und ist bei den Mitgliedern der Wehr wie auch bei den Bürgern sehr beliebt und wird vielseitig in Anspruch genommen.

Am 5. und 6. August 1888 feierte die Freiw. Feuer wehr ihr 25jähr. Bestehen. An dieser Feier beteiligten sich eine große Anzahl auswärtiger Wehren von Nah und Fern. Auf dem Übungsplatze legte die Wehr durch eine glänzend verlaufene Schauübung Zeugnis ab von ihrem Können. Der derz. Oberbürgermeister Doetsch begrüßte die anwesenden Wehren und hob gleichzeitig die Verdienste der Bonner Wehr hervor, welche dieselbe sich um, die Stadt und ihre Mitbürger in den 25 Jahren durch ihre stets opferwillige Tätigkeit erworben. Gleichzeitig konnten 4 Mitglieder ihr 25jähr. Jubiläum in der Wehr feiern; unter diesen befand sich auch der Gründer der Wehr, Herr Ökonomierat Dr. H. Thiel, der eigens von Berlin zu dem Feste gekommen. Herr Oberbürgermeister Doetsch dankte besonders den Jubilaren für ihre 25jährige treue Mitgliedschaft und Mitwirkung im Dienste der Nächstenliebe und überreichte Geh.-Rat Thiel nebst den übrigen Jubilaren, Hauptmann Brieger und den Wehrleuten Füllest und Windmüller, je eine silberne Medaille, die von der Stadt für 25jährige Dienstzeit in der Freiw. Feuerwehr gestiftet wurde. Geh.-Rat Thiel wurde noch besonders durch Überreichung eines Lorbeerkranzes geehrt. Fräulein Schädler heftete im Namen der Vereinsdamen als bleibendes Andenken einen Silberkranz an die Fahne.

Nicht unterlassen wollen wir auch, einer nicht erfreulichen Begebenheit in unserer Freiw. Feuerwehr zu gedenken: Über eine geheime Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung am 10. Juni 1890, betreffs Reorganisation, des Feuerlöschwesens, wollte eine hiesige Zeitung später wissen, dass in dieser Sitzung die Anstellung eines Branddirektors beschlossen worden sei, und nannte denselben schon mit Namen. Die Freiw. Feuerwehr, durch diese Notiz in Unruhe versetzt, fasste in ihrer General-Versammlung am 21. Juni folgende Beschlüsse: Es solle zur Kenntnis der Stadtverordneten-Versammlung gebracht werden, dass man in dem Vorgehen der Feuerlösch-Kommission ein Misstrauens-Votum gegen die jetzige Leitung der Wehr und in der Unterstellung derselben unter einen von der städtischen Behörde eingesetzten Branddirektor einen Übergriff in die Rechte des Vereins, welcher sich statutengemäß seine, Vorgesetzten selbst zu wählen hat, erblicke. In Anerkennung der Verdienste ihrer bisherigen Führer, die sich in allen Fällen als in jeder Beziehung tüchtig bewährt hätten, werde die Wehr sich unter kein anderes Kommando stellen und im gegebenen Falle sich bis zum 1. Juli auflösen.

Auf Wunsch des Herrn Oberbürgermeisters Doetsch fand dann wiederum eine General-Versammlung statt. Es erschienen zu derselben außer dem Herrn Oberbürgermeister auch als Mitglied der Feuerlösch-Kommission die Herren Beigeordneten Dr. Schröder, Dr. Doutrelepont, Dr. Weber und Dr. Schmidt.

In den hier gepflogenen Unterhandlungen stellte es sich heraus, dass das Vorge-hen der Freiw. Feuerwehr nur die Folge falscher Gerüchte und Missverständnisse war. Herr Oberbürgermeister gab die Erklärung ab, dass die Organisation der Freiw. Feuerwehr nicht im geringsten berührt werden würde. Herr Geh.-Rat Doutrelepont bat, den Beschluss zurückzuziehen und nicht zu streiken. Er sei überzeugt, dass die Wehr auch fernerhin mit der gleichen Liebe thätig sein werde, dass sie selbst ihr 50jähriges Jubiläum dereinst feiern werde.

Im weiteren Verlauf der Verhandlungen erklärten die Wehrleute auf das Bestimm-teste, dass sie sich unter keinen Umständen einem anderen Kommando, als dem ihrigen, unterstellen würden. Schließlich wurde beschlossen, den an die Stadt gerichteten Be-schluss zurückzunehmen.

Am 10. Februar 1892 wurde der II. Hauptmann Fritz Brieger durch den Tod von langem, schweren Leiden erlöst. Die Wehr verlor in ihm einen tüchtigen, bewährten Füh-rer, der durch seine reichen Erfahrungen im Feuerlöschwesen oft belehrend und anregend gewirkt. Sein Andenken wird in der Freiw. Feuerwehr noch lange, fortleben.

1894 den 26., 27. und 28. Mai fand in Bonn das Rheinische Feuerwehr-Verbandsfest statt. Am 26. wurde der Verbandstag abgehalten, an dem 230 Abgeordnete teilnahmen. Sonntag, den 27., morgens 11 Uhr, hielt die Bonner Wehr eine Schauübung auf der Wiese vor dem Poppelsdorfer Schlosse ab, woselbst zu diesem Zwecke ein, provi-sorisches Steigerhaus erbaut war. Die Übung erntete großen Beifall. Von da aus setzte sich der Festzug in Bewegung der über 4000 uniformierte Feuerwehrleute mit 26 Musik-corps zählte.

Die bedeutenden Kosten für dieses Verbandsfest wurden durch freiwillige Beiträge von den Bürgern Bonn´s bestritten. Die Beiträge waren so reichlich geflossen, dass am Schluss des Festes der Wehr noch ein Überschuss von 2000 Mark blieb; derselbe wurde zinsbar angelegt, um bei Unglücksfällen oder Krankheiten den Mitgliedern im bedürftigen Falle als Unterstützungsfonds zu dienen. Dieser Fond hat sich bis heran in vielen Fällen als eine sorgensreiche Einrichtung erwiesen.

Am 1. Oktober 1895 schied der erste Beigeordnete Dr. Schröder, der derzeitige De-zernent des Feuerlöschwesens, aus der Verwaltung der Stadt Bonn aus. Die Freiw. Feu-erwehr verlor in demselben einen eifrigen Förderer und Freund ihrer Bestrebungen, und nur ungern sah man den Herrn Beigeordneten scheiden. Um denselben auch ferner der Freiw. Feuerwehr zu erhalten, wurde er in einer Festversammlung am 25. August 1895 zum Ehrenmitgliede ernannt. Herr Schröder (jetzt Bankdirektor) nimmt noch immer regen Anteil an, den Bestrebungen unserer Wehr.

Der Nachfolger Dr. Schröders als Dezernent des Feuerlöschwesens wurde Herr Beigeordneter Sieberger.

Am 9. Februar 1896 starb nach kurzem Krankenlager der langjährige Zugführer Wilh. Kümpel. Derselbe gehörte seit 1869 als aktives Mitglied der Freiw. Feuerwehr an und konnte 2 Jahre vorher sein 25jähriges Dienstjubiläum feiern. Die Wehr verlor in ihm einen biederen, treuen Kameraden.

Der Zugführer des Steigerzuges, Jos. Gemünd wurde am 6. Februar 1897 zum II. Hauptmann ernannt, nachdem derselbe bereits ein Jahr den oft wegen anhaltender Krankheit verhinderten I. Hauptmann Feldmann vertreten hatte. Feldmann legte auch aus diesen Gründen am 1. Juli sein Amt ganz nieder. In einer hierauf folgenden General-Versammlung am 8. Juli wurde Hauptmann Feldmann, der so lange Jahre das Corps ge-führt, einstimmig zum Ehrenhauptmann ernannt. In derselben Versammlung wurde der II. Hauptmann Jos. Gemünd zum 1. Hauptmann einstimmig gewählt. Leider sollte schon nach einigen Monaten, am 19. August, die Wehr ihren verehrten und geliebten Ehren-hauptmann durch den Tod, verlieren. August Feldmann gehörte 31 Jahre als tätiges Mit-glied unserer Freiw. Feuerwehr an, davon 15 Jahre als Hauptmann. Auch war der. Ent-schlafene seit Gründung des Rhein. Feuerwehr-Verbandes ein tätiges Ausschuss-Mitglied. Sein leutseliges kameradschaftliches Wesen war auch unter den Verbands-Kameraden allgemein bekannt, die Wehr verlor in dem Verstorbenen nicht allein einen verdienstvollen, hochgeschätzten Vorgesetzten, sondern auch einen biederen, liebevollen Kameraden. Sein Andenken wird in der Bonner Freiw. Feuerwehr stets fortleben und allen Kameraden, die mit ihm gearbeitet, unvergesslich bleiben. Bezeichnend ist ein Beileidschreiben, welches der Vorsitzende des Rhein. Feuerwehr-Verbandes am 20. August an den Vorstand der Freiw. Feuerwehr Bonn richtete. Dasselbe soll hier im Wortlaute wiedergegeben werden:

Die Trauerbotschaft von dem unerwarteten Hinscheiden Ihres Ehrenhauptmanns, unseres lieben und treuen Kameraden und Freundes Aug. Feldmann, hat mich schmerz-lich ergriffen, und ich kann es mir nicht versagen, zugleich auch im Namen des Ausschusses und des ganzen Verbandes der Wehr Bonn die innigste und herzlichste Teilnahme hierdurch auszusprechen. Der Verstorbene war uns seit langen Jahren ein wackerer Kamerad, im Ausschuss ein kenntnisreicher und tatkräftiger Freund, ein um die Feuerwehrsache hochverdienter Führer und allen, die ihn kannten, lieb und wert. Ich beklage mit Ihnen seinen Verlust von ganzem Herzen; sein Andenken wird im Verbande stets ein gesegnetes bleiben.

Mit kameradschaftlichem Gruß
der Ausschuss des Feuerwehr-Verbandes der Rheinprovinz.
Der Vorsitzende:
Dietzler.

Von den vielen Beileidsschreiben sei noch das unseres Ehrenmitgliedes, des Ministerial – Direktors Geh. – Rat Thiel, erwähnt.

Berlin, 20. 8. 1897.
An den Vorstand der Freiw. Feuerwehr, Bonn.

Die Trauernachricht von dem Tode unseres lieben Hauptmanns Feldmann hat mich recht betrübt; ich hatte von seiner Krankheit nichts gehört und dachte mir ihn immer noch in alter Rüstigkeit an der Spitze seiner braven Wehr. Nun ist er dahingegangen; sein Andenken wird aber bei allen, die ihn kannten und am wenigsten, gewiss bei seinen Kameraden, auslöschen. Möge es der Bonner Feuerwehr nie an gleich tüchtigen, opfermütigen Männern fehlen, die ihre Zeit und Kraft in den Dienst des Gemeinwohle stellen. Mit aufrichtigem Beileid auch für die Hinterbliebenen des Ehrenhauptmanns und mit den besten Wünschen für das blühende Fortbestehen meiner lieben Bonner Feuerwehr ergebenst
H. Thiel.

Dem Ehrenhauptmann folgte leider bald ein lang jähriger Mitarbeiter. In der Frühe des 4. September desselben Jahres verschied plötzlich der frühere Gerätewart Willi Bommer Der Verstorbene gehörte seit 1868 der Freiw. Feuerwehr als aktives Mitglied an und konnte 1893 sein 25jähr. Dienstjubiläum feiern. Auch sein Andenken wird im Corps ein dauerndes sein.

Zu Anfang des Jahres 1898 wurde dem bewährten Hauptmann J. Gemünd, welcher bereits 24 Jahre als sehr tätiges Mitglied der Bonner Freiw. Feuerwehr angehört, für seine aufopferungsvolle Tätigkeit von Se. Majestät das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen; dieselbe Auszeichnung wurde 4 Wochen später dem langjährigen und bewährten Zugfahrer Job. Schädler zu teil.

Im März 1898 wurde der Feuerwehr-Bezirks-Verband Bonn gegründet und Haupt-mann Gemünd als Vorsitzender gewählt. Der Verband, der am 2. August d. J. sein Ver-bandsfest in Bonn abhält, zählt 25 Wehren mit zirka 1000 aktiven Mitgliedern.

Im Jahre 1899 konnte Hauptmann Gemünd auf eine 25jährige Thätigkeit in der Freiw. Feuerwehr zurückblicken. Die Wehr bereitete ihrem verdienstvollen Hauptmann am 8. Juli aus diesem Anlass ein Jubelfest im Drei-Kaisersaale. An demselben nahmen viele Abordnungen von Wehren, des Ober- und Niederrheins teil. Herr Oberbürgermeister Spiritus überbrachte dem Jubilar im Namen der Stadt Bonn Glück und Segenswünsche zum schönen und seltenen Feste. Mit Stolz, sagte er, blicke die Bonner Feuerwehr auf ihren Führer und seine unermüdliche Pflichttreue. In längerer Rede feierte das Stadtoberhaupt die Verdienste des Jubilars, und mit Wunsche dass derselbe noch lange zum gemeinsamen Wohle an der Spitze der Wehr stehen möge, überreichte er ihm die silberne Medaille als äusseres Zeichen der Wertschätzung. Auch drei anderen Wehrleuten, den Kameraden Kron, Breuer und Wisskirchen, die schon früher dies Fest feiern konnten, wurden die Medaillen überreicht. Zahlreiche Vertreter von Wehren und Vereinen erfreuten den Jubilar durch Ansprachen und Geschenke. Auch waren noch eine Menge Depeschen und Gratulationsschreiben eingelaufen, unter andern auch ein herzliches Glückwunsch-Schreiben vom Vorsitzenden des Rhein. Feuerwehr-Verbandes, Herrn Dietzler-Düren.
Zu Anfang des Jahres 1901 wurde das langjährige Vorstandsmitglied, Herr Direktor Soehren, in dem die Wehr einen hochverdienten und eifrigen Förderer ihrer Interessen besitzt, der mit Rat und That fast 20 Jahre den Vorstande zur Seite stand, zum Ehrenmitglied, bzw. Ehrenvorstandsmitglied ernannt, worüber demselben an seinem Geburtstage, dem 1. Januar 1901, eine künstlerisch ausgeführte Urkunde von Vertretern des Vorstandes namens der Freiw. Feuerwehr überreicht wurde.

Im Juli 1900 wurden in den zu Bonn gehörenden Orten Dransdorf und Rheindorf auf Anregung der städtischen Behörden eine Freiw. Feuerwehr gegründet von je 30 Wehrleuten, welche als Abteilung 4 und 5 der Bonner Wehr zugeteilt wurden. Die nötigen Anschaffungen wurden auf Rechnung der Stadt beschafft. Die Bonner gaben aus ihrem Gerätebestand 2 Spritzen an Dransdorf und Rheindorf ab, wofür dieselben eine neue größere Saug- und Druckspritze erhielten.

Am 30. September feierte das langjährige inaktive, Mitglied Rentner Fritz Brüning mit seiner Gemahlin die silberne Hochzeit; der Vorstand überbrachte dem Jubelpaar die Glückwünsche der Wehr. Kamerad Brüning überreichte bei dieser Gelegenheit dem Hauptmann Gemünd ein Sparkassenbuch mit folgender Bestimmung:
Hiervon soll jedes Mitglied der Bonner Freiw. Feuerwehr, welches sein 25 jähr. Wehr-Jubiläum feiern kann, ein Ehrengeschenk von 25 Mark erhalten. Dem Letzten, wel-chem dieses Ehrengeschenk zufällt, sollen auch die bis dahin angelaufenen Zinsen zu Gute kommen. Bereits haben 6 Mitglieder diesen Ehrengeschenk erhalten. In diesem Jahre kann Kamerad Steiger H. Frechem das 25jähr. Dienstjubiläum feiern. Seit Gründung der Wehr konnten 18 aktive Mitglieder dieses Fest begehen, wovon leider schon mehrere durch den Tod abberufen sind:

  • Fritz Brieger †
  • Wilh. Bommer †
  • Jos. Weingarten †
  • Rudolf Windmüller †
  • Christian Breuer †
  • Ferd. Heuskel †
  • August Feldmann†
  • Fritz Korn †
  • Joh. Schädler †
  • Nikolaus Mertens †
  • Jos. Wisskirchen †
  • Math. Bürvenich †
  • Joh. Lahm †
  • Jos. Gemünd †
  • Benedikt Klein †
  • Wilh. Kömpel †
  • Jac. Strieffer †
  • Jac. Esser †

Im September 1902 erging auf besondere Anregung des Vorstandsmitgliedes Rentner Ernst Stiefel (Vertreter der Inaktiven) an die inaktiven Mitglieder das Ersuchen, der Freiw. Feuerwehr zu ihrem im nächsten Jahre stattfindenden 40 jähr. Stiftungsfeste eine neue Fahne zu stiften. Eine zu diesem Zweck in Umlauf gesetzte Liste zur Einzeichnung von freiw. Beiträgen ergab in kurzem die Mittel zu deren Beschaffung. Nach Schluss der Sammelliste erklärte ein bewährtes inakt. Mitglied, Herr Rentner Leo Colmant, der Freiw. Feuerwehr eine Fahne auf seine Kosten zu beschaffen und schenkte der Wehr sofort 1000 Mark hierzu. Die Fahnen-Kommission, welche seiner Zeit gewählt wurde, nahm diese Schenkung dankend entgegen. Herr Maler Rich. Brüne (Stadtverordneter und Mitglied der Fahnen-Kommission) machte einen Entwurf zur Ausführung der Fahne, welcher dankend angenommen wurde. Nach diesem Entwurf führte dann Herr Brüne die Fahnen-Zeichnung in natürlicher Größe aus. Die weitere Ausführung wurde dem Stickgeschäft Geschwister Delveaux übertragen.

Die eingezeichneten Beiträge in der Sammelliste für die Beschaffung der neuen Fahne wurden von den Zeichnern der Wehr belassen als Beisteuer zu der derselben entstehenden Kosten gelegentlich der 40 jähr. Stiftungsfeier und Fahnenweihe.

Am 1. April d. J. schied auch Beigeordneter Sieberger aus der Stadtverwaltung aus, um in die Verwaltung der Stadt Köln einzutreten. In dem Scheidenden verlor die Freiw. Feuerwehr einen fürsorglichen Vater. In den 8 Jahren, in denen Herr Sieberger dem Feuerlöschwesen als Dezernent vorstand, hatte derselbe sich durch sein loyales Wesen die Liebe und Hochachtung der Mitglieder in reichem Masse erworben. In einer zu Ehren des scheidenden Beigeordneten abgehaltenen Versammlung am 24. März, welcher derselbe als Ehrengast beiwohnte, wurde Herr Sieberger als Ehrenmitglied der, Freiw. Feuerwehr ernannt und demselben die Ehren-Urkunde unter Glas und Rahmen überreicht.

Die Freiw. Feuerwehr zählt gegenwärtig 4 Ehrenmitglieder, 140 Aktive, mit den Ab-teilungen Dransdorf und Rheindorf, und 268 inaktive Mitglieder.

Als Mitbegründer der Wehr von 1863 gehören als Aktive derselben noch an: Zug-führer Job. Schädler und Kamerad Rud. Windmüller. Als Inaktive: Ministerialdirektor Dr. H. Thiel, Max Herschel, Theo Krebs, Jac. Schon Bern. Lescerinier, Pet. Winand.

Der Vorstand von 1903:
Hauptmann J. Gemünd, Zugführer J. A. Schaedler, Zugführer H. Spies, Zugführer J. Baltes, Schriftführer F. Weber, Gerätewart M. Bürvenich, Beisitzer Direktor H. Soehren, E. Stiefel, W. Schmitt, A. Spenrath, C. Gierlich, F. Feldmann.

Ehren-Ausschuss:
Oberbürgermeister Spiritus, Chef der Wehr;
Ministerialdirektor Geh-Rat Dr. Thie1, Berlin, Ehrenmitglied; Bankdirektor Dr. Schröder, Ehrenmitglied; Direktor Soehren, Ehrenmitglied; Beigeordneter Sie-berger, Köln, Ehrenmitglied. Rentner Baltes, Stadtrat; Kreistierarzt Bongartz; Stadtrat; Beigeordneter Bottler; Maler Brüne, Stadtrat; Rentner J. Brüne; Rent-ner Leo Colmant; Geh. Medizinalrat Dr. Doutrelepout, Stadtrat; Dr. med. Firle; Rentner Gabriel, Stadtrat; Kaufmann Gerhardt, Stadtrat; Kommerzienrat Guilleaume, Stadtrat; Beigeordneter Heuser Kaufmann Jansen, Stadtrat; Beigeordneter Dr. Lühl; Fabrikant Müller, Stadtrat; Dr. med. Schmidt, Stadtrat; Architekt Schmitt; Banquier Simon, Stadtrat; Beigeordneter Schultze; Rentner Dr. Weber, Stadtrat; Fabrikant Weinstock, Stadtrat; Ingenieur Wenger, Stadtrat; Polizei-Inspektor Wittkugel.

Werfen wir auch hier noch einen Rückblick auf die größeren Brände, die während dieses Zeitabschnittes die Tätigkeit der Freiw. Feuerwehr in bedeutendem Umfang in Anspruch nahmen.

Da sind zu vermerken:

  • Brand der Drammerschen Ziegelei an der Coblenzerstrasse.
  • Fabrikbrand Jutespinnerei, Bonnerthalweg.
  • Porzellanfabrik Pastini-Cyrus, Bornheimerstrasse.
  • Kiliansche Besenfabrik, Niebuhrstrasse.
  • Hotel Rheineck, Rheinwerft
  • Kattenbachsches Haus, Möbelhandlung, Josephstr.
  • Prior, Schreinerei, Bachstrasse.
  • Herschel, Buchbinderei, Wenzelgasse.
  • Frickenhaus, Drogerie, Bonngasse.
  • Kaufmann Mollberg, Markt.
  • Kaufmann Hartzem, Dreieck.
  • Buchbinderei Herschel Brüdergasse,
  • Wohnhaus von Wolter, Coblenzerstrasse.
  • Maschinenschreinerei Schmitz, Maxstrasse.
  • Rathaus-Apotheke, Markt.
  • Irrenanstalt und Kirche in Pützchen.
  • Minoritenkirche und Hotel Stern, Brüdergasse-Markt.
  • Pechfackel-Fabrik von Engels, Rheindorferstr.
  • Bei Juwelier Poppelreuter, Markt.
  • Reichshallen-Theater, Sandkaule.
  • Wesselsche Porzellanfabrik, Poppelsdorf
  • Steingut-Fabrik Firma Anton Mehlem, Coblenzerstrasse.
  • Leger von Meyer & Clev, Victoriastrasse.
  • Orgelfabrik von Klaes, Cölner Chaussée.
  • Drogerie Uhen, Sterntorbrücke.
  • Dampf-Schneidemühle u. Holzlager, Mosel & Comp, Gronau.
  • Jutespinnerei Beuel.

Die Tätigkeit der Wehr ist im Allgemeinen bezeichnet in dem letzten Jahresbericht von 1902. Aus demselben ist folgendes zu entnehmen: Zu Feuerwachen wurden im Laufe des Jahres 4688 Mann kommandiert.
Dieselben verteilen sich auf Rathauswache bei Nacht und Tageswache an Sonn- und Feiertagen
in 436 Wachen zu je 6 Mann = 2616 Mann

  • im Eden-Apollo-Theater 754 Mann
  • im Stadt-Theater 672 Mann
  • in der Beethovenhalle 298 Mann
  • im Zirkus 188 Mann
  • im Kölner Volks-Theater 90 Mann
  • beim Kaiserbesuch 40 Mann
  • bei Abhaltung vom Bazar 16 Mann
  • in der Lose-Gesellschaft 14 Mann

————-

zusammen 4688 Mann.
Die Mannschaften der Rathauswache wurden bei 28 Verletzungen und Unglücksfällen zu Hülfe gerufen, legten Notverbände an und schafften schwer Verletzte durch Tragbahre zu den Hospitälern oder der Klinik. Aber auch außer Dienst konnten die Wehrleute oft diesbezügliche Hilfe leisten. Auch bei anderen Gelegenheiten, als Rohrbrüchen der Wasserleitung bei Nachtzeit, wurden die Wachmannschaften von Hausbewohnern zu Hülfe gerufen. Öfters konnten‘ dieselben den Polizeibeamten Beistand und Hülfe leisten.

Bei Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers am 17., 18. und 19. Juli waren die Mitglieder der Wehr tätig bei Aufrechthaltung der Ordnung und sonstigen Diensten.

An Bränden, welche von der Wehr gelöscht wurden, sind 67 zu verzeichnen. Meist, Kamin-, Zimmer- und Lagerbrände, worunter mehrere als sehr gefahrdrohend zu bezeichnen waren und nur durch schnelles Eingreifen der Feuerwehr größerer Schaden verhütet wurde.

Die Wehr ist vollständig ausgerüstet und besitzt vorzügliche Feuerlösch- und Ret-tungsgeräte. Im Stadtgebiet sind 496 Hydranten angelegt.

Wir haben hier die Entstehung der Freiw. Feuerwehr und ihr Wirken kennen gelernt. Ihrer Aufgabe, die sie sich vorgezeichnet, ist sie, in allen Lagen nach besten Kräften gerecht geworden und erfüllt sie auch heute noch wo bei einer großen Entwicklung unserer Stadt auch größere Anforderungen an dieselbe gestellt worden. Ihren Mut und ihre Entschlossenheit hat sie dem entfesselten Element gegenüber, in vier Jahrzehnten bewährt und dem gefährdeten Leben und Eigentum Schutz geboten. Opferwilligkeit und Nächstenliebe betätigte sie in der schweren, aber glorreichen Zeit der deutschen Erhebung. Daher hat ihr denn auch die Unterstützung der Behörden und die Anerkennung ihrer Mitbürger nicht gefehlt und diese wird ihr auch zu ihrem 40 jährigen Stiftungsfeste nicht fehlen.

Möge denn die Freiw. Feuerwehr, wenn weitere 10 Jahre ins Land gegangen sind, und sie den 50 jährigen Gedenktag feiert, auch dann noch in einem blühenden Gemein-wesen, zum Wohle ihrer Nächsten ihre Thätigkeit fortsetzen, dann und alle Zeit sich den vaterländischen Geist, der über ihrem Ursprung und ihrem bisherigen Thun schwebt, bewahren und ohne Wanken ihrem Wahlspruch getreu bleiben:

„Einer für Alle und Alle für Einen !“
Frisch und stark voll Kraft und Loben,
Wack’rer Männer, mut’ges Heer,
Treu dem Wahlspruch hingegeben.
„Gottes Ehr‘, dem Nächsten Wehr“.
,Mit den Flammen kühn zu ringen,
Steh’n wir fest und unverzagt;
Dem Bedrängten beizuspringen,
Wird das Leben selbst gewagt.

F. Weber
Schriftführer.

Seit 1863 für gutes Löschen bekannt.