Jugendfeuerwehr

jf_schlauchIn Sachen Löschangriff ist Mario ein alter Hase. Routiniert prüft er die Klauenmutter des Standrohrs auf den korrekten Sitz, bevor er es auf den Unterflurhyranten aufsetzt. Mit dem Standrohrschlüssel öffnet er das Ventil des Hydranten, ehe er es kurz durchspült, die B-Leitung an das Standrohr anschließt und durch Öffnen des Niederschraubventils das Wasser zur Pumpe gelangen lässt. Gemeinsam mit seinem Truppführer rüstet er sich anschließend mit einem Strahlrohr aus und bekämpft als zweiter Trupp das Feuer.

Mario ist 13 Jahre alt und Mitglied der Jugendfeuerwehr.

Wie er engagieren sich bundesweit rund 240.000 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 10 bis 18 Jahren und lernen von Kindesbeinen an die richtige Handhabung der feuerwehr-technischen Ausrüstung. Doch die Jugendfeuerwehr ist weitaus mehr als eine reine Nachwuchs-Organisation der Freiwilligen Feuerwehren: In erster Linie nimmt sie, ähnlich anderer Institutionen wie zum Bespiel Kirchengemeinden und Vereine, Aufgaben der allgemeinen Jugendarbeit wahr. So stehen Ausflüge, Basteln und Sport ebenso auf dem Dienstplan wie Feuerwehr-Gerätekunde und Einsatzübungen.

jf_wassertrupp_2002Die Jugendgruppe trifft sich in der Regel zweimal samstags im Monat zum Dienst. Betreut werden die Jugendgruppen von speziell geschulten Jugendwarten und – je nach Größe der Gruppe – von einem oder mehreren Helfern. Neben einer fundierten feuerwehr-technischen Qualifikation und langjähriger Erfahrung als Feuerwehrmann verfügen sie über eine Ausbildung zum Jugendleiter, um den rechtlichen, sozialen und pädagogischen Ansprüchen der Aufgabe gerecht zu werden.

Was macht den besonderen Reiz der Jugendfeuerwehr aus? Zum einen gehört das Berufsziel „Feuerwehrmann“ seit Jahrzehnten bei Kindern und Jugendlichen zu den Favoriten. Die Jugendfeuerwehr bietet ihnen bereits früh die Möglichkeit, die Aufgaben der Feuerwehr kennen zu lernen und kindgerecht mit echten Feuerwehrfahrzeugen und Gerätschaften zu arbeiten. Zum anderen lernen die Kinder und Jugendlichen sehr schnell, dass die anspruchsvollen Aufgaben nur durch echtes Teamwork zu bewältigen sind – ein Wert, der auch außerhalb der Feuerwehr einen hohen Stellenwert hat.

jf_löschboot_2003Die Welt der Feuerwehr erlernen die Mädchen und Jungen spielerisch. Dabei wird von Betreuern genau darauf geachtet, dass die Sicherheit an oberster Stelle steht. Aus diesem Grund dürfen die Jugendlichen nur die Geräte benutzen, für die sie körperlich und geistig geeignet sind. Leitersteigen zum Beispiel bleibt den erwachsenen aktiven Kameraden vorenthalten. Sollte trotz aller Vorsicht doch einmal etwas passieren, sind die Mitglieder der Jugendfeuerwehr genau wie alle anderen Feuerwehrangehörigen über die Feuerwehrunfallkasse abgesichert.

Die Jugendabteilung der Löscheinheit Bonn-Mitte wird derzeit von Unterbrandmeister Michael Beßmann betreut. Der 26 Jahre alte angehende Rettungsingenieur war in seiner Jugend selbst viele Jahre Mitglied in der Jugendfeuerwehr. Ihm zur Seite steht der 21 Jahre alte Oberfeuerwehrmann Kevin Rüge.

jf_handschuhe_2013Auf Stadtebene hat sich bei der Jugendfeuerwehr Bonn ein Wandel vollzogen. Seit 2012 regelt die neu verabschiedete Jugendordnung die Rahmenbedingungen der einzelnen Jugendgruppen. An der Spitze der Organisation steht in Vertretung des Amtsleiters der von Stadtjugendfeuerwehrwart Jürgen Kuhn angeführte Beirat, der sich um Belange etwa wie Wettkämpfe, Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildungen kümmert.
Ihre feuerwehr-technische Leistungsfähigkeit können die Jugendgruppen einmal im Jahr untereinander beim Stadtentscheid unter Beweis stellen. Dort treten die Jugendgruppen im Wettkampf gegeneinander an, um schnell und präzise einen Löschangriff abzuarbeiten. Neben dem feuerwehr-technischen Teil hat aber auch ein „Spaßteil“ immer einen festen Platz, bei dem es nicht um Feuerwehr geht. Am Ende winken Urkunden und Pokale. Die besten Teilnehmer haben die Möglichkeit, ihr Können bei Wettkämpfen auf Landes-, Bundes- oder gar internationaler Ebene zu beweisen.

jf_altJugendfeuerwehren existieren fast schon so lange wie der modern organisierte Brandschutz. Allgemein gilt die am 12. Februar 1882 als „Freiwillige Jugendfeuerwehr“ in Oevenum auf der Insel Föhr gegründete Einheit als die Älteste in Europa. Die erste Jugendfeuerwehr auf heutigem Bonner Stadtgebiet entstand 1964 in Duisdorf. Auch die Löscheinheit Bonn-Mitte verfügte Ende der 1960er Jahre über eine eigene Jugendfeuerwehr. Diese wurde jedoch Anfang der 1970er Jahre zunächst wieder aufgelöst.

Ihren Boom erlebten die Jugendfeuerwehren ab 1985, als sich immer mehr Freiwillige Feuerwehren in Bonn zur Gründung einer Jugendabteilung entschlossen. Am 1. Juli 1995 wurde schließlich die Jugendfeuerwehr der Löscheinheit Bonn-Mitte neu gegründet. Zum Jugendwart wurde Oberbrandmeister Hans Kader ernannt. Auch er ist bereits als Jugendlicher selbst Mitglied der ersten Jugendfeuerwehr gewesen.

jf_fahne_alt_grauSeit Oktober 2009 verfügt jede der 19 Löscheinheiten der Freiwilligen Feuerwehr Bonn über eine eigene Jugendfeuerwehr. Trotz dieses Erfolges bleiben die Jugendfeuerwehren vor Krisenzeiten nicht verschont. Viele Jugendorganisationen und Sportvereine buhlen um die Mitgliedschaft von Jugendlichen; das Freizeitangebot ist so vielfältig wie nie zuvor. Zwischen Pubertät und Erwachsenwerden verlagern sich zudem häufig die Interessen der Jugendlichen; die Mitgliederfluktuation ist entsprechend höher als in der aktiven Einsatzabteilung. Sportvereine binden mit ihren „Bambini“-Abteilungen die Kinder bereits im Grundschulalter an sich. Um jedoch eine sichere Handhabung der Feuerwehr-Gerätschaften zu gewährleisten, beträgt das Mindestalter für einen Jugendfeuerwehr-Eintritt in den Bundesländern zwischen 10 und 12 Jahren.

Um diesen Nachteil zu beheben, wird im Moment auf verschiedenen Ebenen über die Gründung von Kinderfeuerwehren nachgedacht. Diese Kinderfeuerwehren, auch Mini- oder Bambini-Feuerwehren genannt, richten sich gezielt Kinder ab 6 Jahre. Neben Spiel und Spaß soll vor allen Dingen das richtige Verhalten in Gefahrensituationen kindgerecht vermittelt werden. In Rheinland-Pfalz und in Hessen sind die gesetzlichen Grundlagen zur Gründung einer Kinderfeuerwehr inzwischen verabschiedet.

jf_gruppe_2012Für viele Mitglieder der Jugendfeuerwehr ist es eine Selbstverständlichkeit, mit dem Erreichen der Volljährigkeit in den aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr zu wechseln. Wer diesen Schritt vollzogen hat, bleibt in der Regel sein Leben lang mit dabei. Auch für Mario steht fest, dass er sich nach einer handwerklichen Ausbildung als Berufsfeuerwehrmann bewerben möchte. Aber er möchte auch weiterhin bei seinen Kameradinnen und Kameraden bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv bleiben. Denn die sind ein wichtiger Teil seines jungen Lebens.

Weitere Infos zur Jugendfeuerwehr Bonn gibt es bei www.jugendfeuerwehr-bonn.de.

Seit 1863 für gutes Löschen bekannt.